Eine warme und milde Januarwoche in Ägypten

Eine warme und milde Januarwoche in Ägypten

Eine warme und milde Januarwoche in Ägypten

Willkommen zu unserem aktuellen Wochenbericht vom Roten Meer! Jede Woche nehmen wir euch hier mit in die faszinierende Unterwasserwelt Ägyptens, berichten von spannenden Tauchgängen, stellen unseren Fisch der Woche vor und werfen einen Blick auf aktuelle Entwicklungen aus dem Land der Pharaonen. Außerdem gibt es immer wieder nützliche  Tipps und Empfehlungen für alle, die ihren Urlaub in Ägypten noch entspannter und erlebnisreicher gestalten möchten. Viel Spaß beim Lesen und Abtauchen! Eine warme und milde Januarwoche in Ägypten:

Tauchen bei windstillem Wetter mit viel Sonnenschein

Die Weihnachtszeit ist vorüber und somit neigt sich auch die Ferienzeit dem Ende zu. Bei uns kehrt Ruhe ein. Wir nutzen die Zeit nicht nur, um gemütlich zu tauchen, sondern auch, um unsere Schiffe eins nach dem anderen aufs Trockendock zu bringen und für die kommende Saison fit machen zu lassen. Unsere Vardus und auch die Albatros waren bereits auf dem Trockendock und sind bereit fürs neue Tauchjahr. 

Wir durften uns über eine traumhafte Woche hier am Roten Meer freuen. Alle Tauchplätze standen uns offen und das nutzten wir natürlich auch aus. Zudem momentan ja Rochenzeit ist und auch die kleinen Haie sich langsam auf in ihre Winterhöhlen machen. Vergangenes Wochenende besuchten wir endlich mal wieder unsere zwei Lieblingsputzerfische Itchy und Scratchy, unsere Gäste hatten sich Dorfa el Fanous gewünscht. Die ortsansässigen Delfine waren zwar am Samstag verreist, doch das tat den schönen Tauchgängen keinen Abbruch. Den Sonntag verbrachten wir entspannt zwischen den Inseln.

Zu Beginn der neuen Januarwoche machte sich unsere Bahlul auf in den Norden nach Abu Nuhas. Nach ruhiger Fahrt und einem ausführlichen Briefing ging es zunächst bei der Giannis D ins Wasser. Für den zweiten Tauchgang hatten sich unsere Tauchgäste das Wrack der Carnatic ausgesucht. Obwohl es ein wunderschöner Tauchplatz ist, wird dieses Wrack wahrscheinlich am wenigsten betaucht. 

Am ebenfalls windstillen Dienstag konnten wir in aller Ruhe ein paar schöne Drift Pick Ups machen, unter anderem bei Shaab Pinky und Shaab Samir. Die echten Highlights hielten sich aber bei Fanadir auf. Soviele große Rochen, dass man sie fast nicht mehr zählen konnte! Da düsten wir doch direkt am Mittwoch nochmal hin! Und so endete eine fantastische Tauchwoche dann mit schönen Tauchgängen in Shaab Iris und Sachua Abu Galawa. Die nächste Woche kann kommen, wir sind bereit!

Unser Meerestier der Woche: Der Rotmeer-Füsilier

Wir Taucher hier im Roten Meer begegnen früher oder später einem der typischsten Schwarmfische dieser Region: Caesio suevica, dem Rotmeer-Füsilier. Dieser elegante Fisch ist ausschließlich im Roten Meer heimisch und gilt damit als echtes regionales Original. Bereits seine Erstbeschreibung im 19. Jahrhundert erfolgte an der ägyptischen Küste. Bis heute konnte sein Vorkommen außerhalb dieses Meeres nicht eindeutig bestätigt werden. Auf den ersten Blick fällt Caesio suevica durch seinen schlanken, stromlinienförmigen Körper und die silbrig-bläuliche Färbung auf. Feine Längsstreifen, eine oft gelbliche Linie entlang des Rückens und markante schwarze Flecken an den Enden der Schwanzflosse machen ihn auch unter Wasser gut erkennbar. Mit einer maximalen Länge von etwa 35 Zentimetern ist er kein Riese, wirkt im Schwarm jedoch besonders eindrucksvoll.

Beim Tauchen im Roten Meer begegnet man dem Rotmeer-Füsilier meist in mittleren Wasserschichten über Korallenriffen, häufig in Tiefen zwischen zwei und fünfundzwanzig Metern. Dort ziehen die Schwärme ruhig über das Riffdach, während sie Zooplankton aus dem freien Wasser aufnehmen. Vor allem an strömungsreichen Riffen gehören sie zu den konstanten Begleitern eines Tauchgangs und verleihen dem offenen Blau über dem Riff eine besondere Lebendigkeit.

Der Rotmeer-Füsilier ist dabei nicht allein. Belegt ist, dass mehrere Füsilierarten regelmäßig im Roten Meer vorkommen und dort oft gemeinsam in Schwärmen gesichtet werden. Hierzu zählen der Mond-Füsilier (Caesio lunaris), der Gestreifte Füsilier (Caesio striata), der Gelblinien-Füsilier (Caesio varilineata) sowie der Goldband-Füsilier (Pterocaesio chrysozona). Zusammen prägen sie das charakteristische Bild von Schwarmfischen entlang der Riffe.

Ökologisch spielen Füsiliere eine wichtige Rolle als Verbindung zwischen Plankton und größeren Raubfischen. Für uns Taucherinnen und Taucher sind sie vor allem ein ästhetisches Erlebnis: schimmernde Körper im Sonnenlicht, synchronisierte Bewegungen und das Gefühl, mitten durch einen lebendigen Schwarm zu gleiten. Wer im Roten Meer abtaucht, erlebt mit ihnen einen stillen, aber unverwechselbaren Teil dieses einzigartigen Ökosystems.

Ägyptische Kopten feierten Weihnachten

Unsere Weihnachtszeit ist vorüber, doch hier in Ägypten fing sie gerade erst an. Wenn in Ägypten Weihnachten gefeiert wird, geschieht das nach koptisch-orthodoxer Tradition, am 7. Januar. Der Grund ist ein anderer Kalender: Die koptische Kirche richtet sich liturgisch bis heute nach dem julianischen Kalender, der derzeit 13 Tage hinter dem bei uns gebräuchlichen gregorianischen liegt. Inhaltlich geht es um dasselbe Fest wie bei uns: die Geburt Jesu Christi.

Dem Weihnachtsfest geht eine 43-tägige Fastenzeit voraus, die sogenannte Fastenzeit der Geburt Christi. In dieser Zeit verzichten gläubige Kopten auf alle tierischen Produkte. Das Fasten endet in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar mit einem langen, feierlichen Gottesdienst. Viele Familien besuchen die Christmette, vergleichbar mit unserer Mitternachtsmesse an Heiligabend. Nach dem Gottesdienst kommt das Festessen. Traditionell wird Fatta gegessen, ein Gericht aus Reis, Brot, Knoblauch, Essig und einer Tomatensoße, meist mit Fleisch serviert. Während bei uns an Weihnachten häufig Gans, Würstchen oder Raclette auf dem Tisch stehen, markiert dieses Mahl für Kopten das freudige Ende der langen Fastenzeit.

Auch gesellschaftlich unterscheidet sich das koptische Weihnachtsfest etwas von unseren Feiertagen. Geschenke spielen eine eher untergeordnete Rolle und sind meist klein, besonders für Kinder. Der religiöse Kern steht deutlich stärker im Vordergrund als der kommerzielle Aspekt, der in vielen westlichen Ländern mit Weihnachten verbunden ist. Statt „Frohe Weihnachten” wünscht man sich in Ägypten „Eid Milad Majid”, ein gesegnetes Geburtsfest.

Trotz aller Unterschiede gibt es viele Gemeinsamkeiten mit unseren Weihnachtsfeiertagen. Familie, gemeinsames Essen, Kirchenbesuch und das Innehalten im Alltag stehen im Mittelpunkt. In einem überwiegend muslimischen Land ist Weihnachten für die koptische Minderheit zudem ein sichtbares Zeichen religiöser Identität, das heute offiziell anerkannt ist: Der 7. Januar ist in Ägypten ein staatlicher Feiertag. So verbindet das koptische Weihnachtsfest uralte christliche Traditionen mit einer ganz eigenen kulturellen Prägung.

Die Papierkarten in Ägypten gehören bald der Vergangenheit an

In Ägypten gehört Papierkram am Flughafen anscheinend bald der Vergangenheit an – die sogenannten „Landing Cards“ sollen laut offizieller Berichte ab 1. Februar abgeschafft werden. Wer bisher beim Ein- oder Ausreisen noch hektisch nach einem Kuli gesucht hat, darf aufatmen: Die berühmten kleinen Zettelchen, von denen niemand weiß, was mit ihnen passiert, wenn man sie abgegeben hat, werden digital!

Achtung, hierbei handelt es sich NICHT um das Einreisevisum! Dies bleibt unverändert bestehen und ist für 25 US-Dollar entweder vorab online oder nach der Einreise am Bankschalter erhältlich. Es geht lediglich um die DINA6-Karten, die man entweder im Flieger vor der Einreise oder am Schalter der Fluggesellschaft bei der Ausreise aus Ägypten erhält und bei Zollbeamten ausgefüllt abgeben muss.

Der ägyptische Luftfahrtminister El-Hefny hat letzte Woche in einem Interview angekündigt, dass bis Ende Januar an allen ägyptischen Flughäfen papierbasierte Ein- und Ausreisekarten durch ein digitales System ersetzen werden. Eine neue Anwendung soll die bisherige Papierkarte ablösen und Passagierdaten künftig elektronisch erfassen. Das Ziel ist es, Abläufe zu beschleunigen, Warteschlangen zu verkürzen und das Reiseerlebnis spürbar zu verbessern, vor allem in Stoßzeiten.

Die Maßnahme ist Teil einer umfassenden Digitalisierungsstrategie im ägyptischen Luftverkehr. Parallel dazu arbeitet das Ministerium an einem integrierten elektronischen Visasystem, das Online-Anträge und eine digitale Nachverfolgung ermöglicht. Auch das sogenannte Notfallvisum soll weiterhin schnell bei der Ankunft erhältlich sein, um den Tourismus zu unterstützen. Das 96-Stunden-Transitvisum bleibt weiterhin kostenlos. Verbesserungen zeigen sich bereits bei den Bodenservices: Das erste Gepäckstück erreicht Passagiere inzwischen innerhalb von 20 Minuten nach der Landung, das letzte spätestens nach 40 Minuten.

Mit der Abschaffung der Papierkarten schließt sich Ägypten einer internationalen Entwicklung an. Europa und die USA haben diesen Schritt bereits vor Jahren vollzogen. Jetzt zieht Ägypten nach und macht das Reisen ein kleines Stück moderner und entspannter.

🤓 Unser Schlaumeier der Woche - Halbwissen für echte Profis 🤓

Schon gewusst? Wer im Roten Meer taucht, kennt das Gefühl: An manchen Tagen liegt das Meer spiegelglatt da, an anderen ist schon an der Oberfläche ordentlich Bewegung. Der Grund dafür sind unterschiedliche Windsysteme, die diese Region prägen.

Im Frühjahr kann Ägypten vom Khamsin, einem heißen, trockenen Wüstenwind, erreicht werden. Er bringt Staub, Hitze und manchmal überraschend raue Bedingungen an der Oberfläche. Für Taucher bedeutet das oft eine eingeschränkte Sicht über Wasser, während es unter Wasser erstaunlich ruhig ist. Ganz anders sind die typischen Seewinde am Roten Meer, die vor allem aus östlicher Richtungen wehen. Sie sind deutlich feuchter und sorgen dafür, dass die Wellen plötzlich aus einer ganz anderen Richtung kommen. Lokal werden solche kräftigen Ostwinde bei uns „Asiab“ genannt. Sie sorgen dafür, dass manche Tauchplätze an diesen Tagen außen vor bleiben. Aber wir sind ja flexibel! 🙂

Eine warme und milde Januarwoche in Ägypten

Das war’s für diese Woche vom Roten Meer. Wir hoffen, euch hat unser Wochenbericht gefallen. Bleibt neugierig, passt auf euch auf und bis zum nächsten Mal, mit neuen Eindrücken aus dem Land zwischen Wüste und Wasser!

Eine warme und milde Januarwoche in Ägypten, Deutsche Tauchschule, Blue Water Dive Resort – Fotonachweise: Blue Water Dive Resort,